Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts gilt der Chiemsee mit seinen Inseln und der eindrucksvollen Kulisse der Alpen als ein Refugium der Malerei – ein Ort, der Künstler aus nah und fern inspirierte und bald als „Malerparadies“ überregionale Bedeutung erlangte. In dieser Tradition stehend wurde im Jahr 1985 in Prien am Chiemsee die Galerie im Alten Rathaus gegründet. Seither zählt sie zu den herausragenden kulturellen Einrichtungen der Region und leistet einen wichtigen Beitrag zur Pflege wie auch zur Weiterentwicklung des künstlerischen Erbes im Chiemgau.
Die Galerie versteht sich als Ort der Begegnung, der Kunst nicht nur bewahrt, sondern sie als lebendigen Ausdruck unserer Zeit erfahrbar macht. Kunstinteressierten – und jenen, die es werden möchten – bietet sie ein facettenreiches Ausstellungsprogramm, das die Vielfalt des regionalen Kunstschaffens auf eindrucksvolle Weise widerspiegelt. Ergänzt wird dieses durch wechselnde Präsentationen international renommierter Künstler. So waren in der Vergangenheit Werke oder thematische Ausstellungen zu Persönlichkeiten wie Keith Haring, Salvador Dalí, Max Ernst, Joan Miró, Andy Warhol, Georg Baselitz, Robert Mapplethorpe sowie technische Rekonstruktionen von Leonardo da Vinci oder Arbeiten von James Rizzi zu sehen.
Ein besonderer Akzent liegt auf der Förderung junger künstlerischer Positionen: Alle zwei Jahre widmet sich die Galerie im Rahmen der „Kunstzeit Prien“ dem künstlerischen Schaffen im öffentlichen Raum und eröffnet jungen Talenten die Möglichkeit, ihre Werke außerhalb klassischer Ausstellungssituationen zu zeigen. Seit 2021 verleiht der Kulturförderverein Prien am Chiemsee zudem einen Kunstpreis, mit dem herausragende künstlerische Leistungen gewürdigt werden. Die bisherigen Preisträger sind Milan J. Mulzer, Sophia Kirst, Gerhard Kay sowie Lenz Hamberger, der den Ehrenpreis für sein Lebenswerk erhielt.
Ein zentrales Anliegen der Galerie ist es, insbesondere jungen Menschen den Zugang zur Kunst zu erleichtern und Begeisterung für kreative Ausdrucksformen zu wecken. Zu jeder Ausstellung werden daher kindgerechte Führungen sowie kreative Workshops für Kinder angeboten. In diesen Formaten lernen junge Besucherinnen und Besucher auf spielerische Weise Künstlerpersönlichkeiten, künstlerische Techniken und Ausdrucksformen kennen – und erhalten anschließend Raum für die eigene schöpferische Tätigkeit. Der Eintritt zur Galerie ist für alle unter 21 Jahren kostenfrei.
Als kultureller Anziehungspunkt mitten im Priener Ortskern trägt die Galerie im Alten Rathaus zur Belebung des öffentlichen Raums bei – auch außerhalb der klassischen Touristensaison. In enger Zusammenarbeit mit dem Kulturförderverein Prien am Chiemsee e. V. bündelt sie fachliche Kompetenz und leidenschaftliches Engagement und bildet damit eine tragende Säule des kulturellen Lebens im Chiemgau.
Kulturförderverein Prien am Chiemsee e. V.
Engagement für Kunst und Kultur seit 1985
Im Jahr 1985 fanden sich kunstinteressierte Bürgerinnen und Bürger aus Prien und der umliegenden Region zusammen, um den Kulturförderverein Prien am Chiemsee e. V. ins Leben zu rufen. Der unmittelbare Anlass war die Umwidmung des alten Priener Rathauses zu einer Kunstgalerie – ein Schritt, der als bedeutungsvolle Geste der Wertschätzung gegenüber der bildenden Kunst verstanden wurde und eine nachhaltige Belebung des kulturellen Lebens in Prien zum Ziel hatte.
Mit der Gründung des Vereins verband sich die Absicht, dem bislang vorwiegend von der Marktgemeinde getragenen Kulturgeschehen eine eigenständige, bürgerschaftlich getragene Säule zur Seite zu stellen. Es entstand eine Initiative, die seither als Ausdruck zivilgesellschaftlichen Engagements für Kunst und Kultur wirkt – unabhängig, ideell getragen und dem Gemeinwohl verpflichtet.
Im Mittelpunkt der Vereinstätigkeit stehen, gemäß der Satzung, die Ausstellungen in der Galerie im Alten Rathaus. Darüber hinaus widmet sich der Kulturförderverein der Unterstützung des Heimatmuseums sowie des historischen KronastHauses. Ein besonderes Anliegen ist es, die künstlerische Tradition der Chiemseemaler lebendig zu halten und zugleich zeitgenössische Kunstschaffende aus der näheren Umgebung zu fördern. Auf diese Weise soll ein Verständnis für die Vielfalt und Tiefe aktuellen künstlerischen Ausdrucks geweckt und gestärkt werden.
Der Verein versteht sich als Brücke zwischen Künstlern, Kunstinteressierten und Fachleuten. Er schafft Gelegenheiten zum Austausch, zum Dialog, zum gemeinsamen Nachdenken über Kunst und ihre Bedeutung in der Gegenwart. Kulturfahrten, Vorträge und Führungen dienen diesem Ziel ebenso wie die persönliche Begegnung mit dem künstlerischen Werk und der schöpferischen Persönlichkeit dahinter – einer Begegnung, die nicht selten zu einem vertieften Verständnis für die Intention, das Ringen und die geistige Dimension des Kunstschaffens führt.
Alle, denen die kulturelle Entwicklung in Prien und im Chiemgau ein Anliegen ist, sind herzlich eingeladen, sich diesem Engagement anzuschließen. Mit einem Jahresbeitrag von lediglich 25 € leisten Sie einen wertvollen Beitrag zur Förderung der Kunst und zur Pflege eines lebendigen, offenen Kulturverständnisses in unserer Region. Ihre Mitgliedschaft sichert Ihnen darüber hinaus den frühzeitigen Zugang zu allen Informationen, zu Einladungen zu Vernissagen, Veranstaltungen und Reisen – und nicht zuletzt die Teilhabe an einem Netzwerk von Menschen, die die Kunst lieben und das kulturelle Leben in unserer Heimat aktiv mitgestalten möchten.
Weitere Informationen sowie das Beitrittsformular finden Sie auf unserer Website: www.kultur-prien.de


Studioausstellung Willee WTH Regensburger: Feuer, Wachs und Urformen
Copyright: Willee WTH Regensburger
Mit der Künstlerlandschaft Chiemsee ’26 öffnet die Galerie im Alten Rathaus in Prien erneut ihre Räume für eine der traditionsreichsten Werkschauen der Region. Malerei, Druckgrafik, Fotografie und Skulptur treffen aufeinander und geben einen Einblick in die Vielfalt und Qualität des aktuellen künstlerischen Schaffens rund um den Chiemsee.
Die Kunst in dieser Region blickt auf eine lange Geschichte zurück. Von der Gründung der Künstlerkolonie auf der Fraueninsel in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts über die Künstlergemeinschaften der folgenden Jahrzehnte bis zum kulturellen Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich am Chiemsee eine außergewöhnlich dichte Kunstlandschaft entwickelt. An diese Geschichte knüpft die Ausstellung an – nicht als Rückschau, sondern als lebendige Verbindung von Tradition und Gegenwart.
Seit vielen Jahrzehnten sind die Ausstellungen der Künstlerlandschaft Chiemsee eine feste Größe im kulturellen Leben Priens. Auch 2026 begegnen sich in der Galerie etablierte Positionen und jüngere künstlerische Stimmen, unterschiedliche Generationen, Techniken und Ausdrucksformen. Gerade dieses Nebeneinander macht den besonderen Charakter der Ausstellung aus: Sie zeigt keine einheitliche Richtung, sondern die Vielfalt individueller Handschriften und künstlerischer Haltungen.
Feuer, Wachs und Urformen
Ein besonderer Schwerpunkt der Künstlerlandschaft Chiemsee ’26 ist die Studioausstellung von Willee WTH Regensburger. Der große Ausstellungsraum im zweiten Obergeschoss ist in diesem Jahr ausschließlich seinen Arbeiten gewidmet.
Regensburger beschäftigt sich in seinen Werken mit elementaren Motiven menschlichen Daseins. Haus, Brunnen und Ofen erscheinen als archaische Zeichen: Das Haus steht für Schutz und Behausung, der Brunnen für die lebenspendende Quelle, der Ofen für Feuer, Wärme und Verwandlung. Aus scheinbar vertrauten Dingen werden Bilder, die an grundlegende Erfahrungen und Vorstellungen des Menschen rühren.
Dabei entwickelt Regensburger eine kraftvolle und unverwechselbare Bildsprache. Farbe ist bei ihm nicht schmückendes Element, sondern Träger von Ausdruck und Emotion. Leuchtendes Zitronengelb, tiefes Blau und explosive Rottöne treffen unmittelbar aufeinander. Menschliche und tierische Wesen tauchen in diesen Farbräumen auf, verbinden sich mit ihnen und führen in eine Bildwelt zwischen Mythos, Erinnerung und existenzieller Erfahrung.
Eine besondere Bedeutung kommt der Enkaustik zu. Regensburger greift damit eine der ältesten überlieferten Maltechniken auf, die bereits in der Antike verwendet wurde. Farbpigmente werden in heißem Bienenwachs gebunden, auf den Bildträger aufgetragen und durch Wärme mit diesem verbunden. Das Wachs verleiht den Farben eine besondere Tiefe und Präsenz; zugleich entstehen Oberflächen, in denen Material, Farbe und Bewegung unmittelbar erfahrbar werden.
Gerade diese Verbindung einer jahrtausendealten Technik mit einer expressiven zeitgenössischen Bildsprache prägt den besonderen Reiz der Studioausstellung. Regensburger übernimmt die Enkaustik nicht als historische Reminiszenz, sondern macht sie zum unmittelbaren Bestandteil seiner eigenen künstlerischen Sprache. Feuer und Wachs sind damit nicht nur Mittel der Herstellung – sie korrespondieren zugleich mit den elementaren Themen seiner Bilder.
Willee WTH Regensburger, geboren 1954, lebt am Chiemsee und arbeitet seit 1977 als freischaffender Künstler. Seine künstlerische Tätigkeit führte ihn auch in Ateliers außerhalb der Region und ins Ausland. Er erhielt unter anderem den Debütantenförderpreis des Freistaats Bayern, den Gebhard-Fugel-Förderpreis der Deutschen Gesellschaft für Christliche Kunst, das Prinzregent-Luitpold-Stipendium sowie den Rote-Reiter-Preis. Seine Arbeiten wurden in Deutschland und international in Kunstvereinen, Galerien und Museen präsentiert.
Werke Regensburgers befinden sich unter anderem in der Bayerischen Staatsgemäldesammlung, der Staatlichen Graphischen Sammlung, dem Diözesanmuseum Freising und dem Kunstmuseum Zug. Neben Malerei und Grafik umfasst sein Schaffen auch Kunst im öffentlichen Raum, Kunst und Bauen, Performances und Film.
Mit seiner Studioausstellung setzt Willee WTH Regensburger innerhalb der Künstlerlandschaft Chiemsee ’26 einen eigenständigen Akzent – kraftvoll in der Farbe, elementar in den Motiven und zugleich verwurzelt in einer Maltechnik, deren Geschichte weit zurückreicht.



Im Rahmen der Künstlerlandschaft Chiemsee ’26 wird erneut der mit 2.000 Euro dotierte Christine Dobler Chiemgau Kunstpreis der Martin Gröbner Stiftung verliehen. Eine unabhängige Fachjury wählt unter den teilnehmenden Künstlerinnen und Künstlern eine herausragende künstlerische Position aus.
Der Preis erinnert an Christine Dobler (1949–2019), die sich als Künstlerin mit großem Engagement für Kunst und Kultur in der Region eingesetzt hat. Mit der Auszeichnung wird dieses Vermächtnis weitergeführt und zugleich ein Zeichen für die Qualität und Lebendigkeit der zeitgenössischen Kunst am Chiemsee gesetzt.
Die feierliche Preisverleihung findet am Freitag, 11. Dezember 2026, um 19 Uhr in der Galerie im Alten Rathaus statt.
Individuelle Führungen auf Anfrage unter: galerie@tourismus.prien.de
Die Galerie im Alten Rathaus ist derzeit wegen Ausstellungsumbau geschlossen.
Ab dem 31.10 2026 kann sie wieder zu den angegebenen Öffnungszeiten besucht werden.
Wir danken für Ihr Verständnis
Geöffnet Mittwoch bis Sonntag von 13 bis 17 Uhr.
Eintrittspreise:
4 € für Personen über 21 Jahre, freier Eintritt für Personen bis einschließlich 21 Jahre, Aufpreis für Führungen 4 €, 3 € ermäßigter Eintritt für Mitglieder Kulturförderverein Prien, Schüler*innen, Senior*innen, mit Priener Gästekarte, Behinderte gegen Vorlage eines Ausweises.
Freier Eintritt:
Gästeführerinnen und Gästeführer gegen Vorlage eines Ausweises
Inhaberinnen und Inhaber der Ehrenamtskarte
Personen bis einschließlich 21 Jahre
Der Kulturförderverein Prien am Chiemsee e.V. besteht seit 1985 und prägt mit seinem vielfältigen Engagement das kulturelle Leben auf dem Gebiet der bildenden Kunst in unserer Künstlerlandschaft. Mit 25 € Jahresbeitrag fördern sie Kunst und Kultur unserer Region und erhalten regelmäßig Einladungen zu den Vernissagen und Informationen über das Ausstellungsleben in Prien.
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